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54th ESA PFC t=0d (Update)

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Feritg

Viel zu früh aufstehen, schnell etwas frühstücken und auf zum Flugzeug. Draussen sind es noch frische 16°C, das Flugzeug glänzt in der aufegehenden Sonne. Ein leichter Wind weht. Gänsehaut.

 

Die Sensoren konnten wir heute früh noch reparieren, alles ist bereit. In kanpp 10 Minuten beginnt hier die Ausgabe der Medikamente gegen Resekrankheit. Ich bin gespannt.

 

 

 

 


Also ums kurz zu machen, mir war während des Fluges schlecht - gescheit schlecht. Aber der Reihe nach:

 

Die Medikamentenvergabe verläuft planmäßig, wer will kann sich eine Dosis Scopolamin abholen. Gegen 8:50 wird das Flugzeug geschlossen, aber es vergehen noch ganze 40 Minuten bis die Triebwerke laufen und wir Richtung Startbahn rollen. Die Triebwerke dröhnen, das Flugzeug zittert, es scheint sich zunächst etwas zu sträuben ehe die Maschine über die Startbahn beschleunigt und nach wenigen Sekunden die Wolkendecke durchbricht.

 

 

Die Anschnallzeichen erlöschen eine Minute nach dem Start - und jeder wankt in dem noch sehr steil fliegenden Flugzeug zu seinem Experiment. Bis zu der ersten Parabel sind noch 20 Minuten Zeit - Hektik kommt nicht auf. Das ist der Punkt auf den alle im Flugzeug hin gearbeitet haben. Jeder ist so weit konzentriert so weit es die Medikamente zulassen: Ein trockener Mund und eine leichte Benommenheit sind die typischen Nebenwirkungen. Autofahren ist für vier Stunden lang verboten, aber das hat eh keiner vor. Leichte verwirrung kommt auf, wann wir denn die Speicherkarten der Kameras zu wechseln hätten - wenn 16 GB für 30 Parabeln gut sind sollten dann nicht 8GB 15 Parabeln halten? Wir sind verwirrt.

"10 minutes"  rauscht es aus den Latusprechern, das Flugzeug hat die vorgesehene Höhe erreicht, und fliegt eben über den Atlantik. "5 minutes" - Wir checken noch einmal die Kameras. Eine Minute vor der ersten Parabel schalten wir die Kameras ein, "30 seconds", "20 seconds", "10", "5,3,2,1 - Pullup". Der Aufstieg der ersten Parabel beginnt. 1.8g für 20 Sekunden. Ich drücke die Taste, die die beiden Schlitten in Gang setzt. Es läuft. Ich hocke neben dem Experiment, die Schwere drückt mich auf die Schaumgummiematten, die Wangen werden schwer, die Ame fühlen sich an als hätte ich schwere, nasse Kleidung an. Den Kopf zu drehen ist jetzt keine gute Idee, gede leichte Drehung wirkt um ein vielfaches verstärkt aber die Augen melden ein anderes Bild. Ruhig sitzenbleiben und einen Punkt fokussieren soll helfen. "Don't be a hero - heros vomit".

"thirty, forty" zählt der Pilot die aktuelle Steigung in Grad an, bei 47 beginnt die Schwerelosigkeit. "injection". Der Einflug in die Parabel.

Kein flaues Gefühl im Magen statt dessen scheint mich jemand recht kräftig nach oben zu ziehen. An den Griffen die am Rack angeschraubt waren ziehe ich mich nach unten. So soll sich Schwerelosigkeit anfühlen? In unserem Rack fliegen kleine Staubflocken herum und auch ein Span von der Kunststoffverkleidung den wir wohl beim Säubern übersehen haben. Die Boxen bewegen sich wie geplant, die Stahlkugeln in ihrem Innern schweben ruhig herum, werden von der sich bewegenden Wand wieder eingesammelt, beschleunigt, stossen zusammen, fliegen weiter. Schon toll.

 


 

"twenty" Das sind diesmal die Grade an negativer Neigung des Flugzeugs und der Countdown für die zweite Phase mit erhöhter Schwere. Es bleiben noch etwa 5 Sekunden.

"thirty" Schnell einen Platz finden, nicht über einer Ecke des Racks schweben, denn das könnte weh tun.

"pullup" Überraschend weich endet die Schwerelosigkeit. Alles sinkt langsam zu Boden um dort wie festgeklebt liegen zu bleiben. Die vorhin so munteren Kugeln liegen jetzt in einer Lage tot am Boden unserer Boxen, bleierne Schwere zieht mich nach unten. wieder für etwa 20 Sekunden.

Das Ende der Hypergravity wird nicht angesagt. Umso verwirrender ist es für mich mich plötzlich wieder leichter zu fühlen. Läuft etwas schief? Die Triebwerke laufen wieder an, frische Luft ströhmt aus der Lüftung. Meine Augen finden keinen festen Halt mehr, das Flugzeug vibriert leicht. Ist alles wieder normal? Soll ich meinen Sinnen wieder trauen? Ich fühle mich keineswegs wie auf der Erde.

Acht Parabeln geht das gut, dann gehe ich vorsichtshalber zu den Sitzen vorne im Flugzeug, setzte mich und bleibe für den Rest des Fluges angeschnallt. Mein Magen mag das wohl garnicht. Und das Frühstück scheint sich mit meinen Magen eine Auseinandersetzung zu liefern, die auf meine Kosten geht. Da erweist sich die Einweisung in die Nutzung der Spucktüten als sinnvoll: Erst öffnen, gegen den Mund drücken und danach zuhalten. Fabian kommt eine Parabel später. Ihn hat es auch erwischt. Ebenfalls trotz Medikamenten. Gebrauchte Tüten werden ersetzt.

Ich bin mittlerweile so müde (ob durch den Stres oder die Medikamente weiß ich nicht) dass ich zeitweise zwischen den Parabeln einschlafe. Ob das ein Vorteil ist? 15 Parabeln liegen noch vor uns.

Nach der Landung bin ich immer noch hundemüde. Der Flug war nicht sehr erholsam - zu viele "Luftlöcher". Imerhin geht es in den 22 Sekunden Zero-G ja 1000m hinauf und wieder hinunter.

Jetzt freue ich mich auf einen erholsamen Schlaf - von dem ersten Flug soll man angeblich intensiv träumen. Mal sehen. Ich bin froh dass ich morgen nicht fliege.

-Achim